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Beyond the Transaction: Every Transaction Has a Story
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BEN RAHIM – Arabische Kaffeetradition in Berlin

Warum der Berliner Coffee-Shop nur noch auf Kartenzahlung setzt

Ein Flat White – 4,10 Euro. Während es in anderen Ländern mittlerweile ganz normal ist, auch Kleinstbeträge mit der Debit- oder Kreditkarte zu zahlen, kramen die meisten Deutschen dafür eher noch im Portemonnaie. Nur Bares ist Wahres? Nicht bei Ben Rahim, einem kleinen Café in Berlin-Mitte. Hier können die Kunden seit Oktober nur noch mit Karte bezahlen.

Geschäftig geht es in dem kleinen Laden zu, der orientalisch eingerichtet ist. Neben den Berliner Stammkunden besuchen auch viele Touristen das Café am Hackeschen Markt, um die verschiedenen Kaffeespezialitäten zu genießen, die stets frisch und liebevoll von einem Barista zubereitet werden.

Das Ben Rahim setzt auf beste Bohnen, die von Square Mile Coffee Roasters in London bezogen werden. Die leckeren Espresso- und Filterkaffeesorten sind arabisch inspiriert mit außergewöhnlichen Aromen – von Karamell, Himbeere und Schokolade bis hin zu Kamille oder Bergamotte. Auch bei der Zubereitung wird Wert auf höchste Qualität gelegt: Neben der Wasserqualität und der richtigen Brühtemperatur spielt der Mahlgrad eine zentrale Rolle.

Auch kalter Kaffee wird bei Ben Rahim serviert. Nitro Coffee heißt der neueste Kaffeetrend aus den USA. Der kaltgebrühte Kaffee wird mit Stickstoff versetzt. Dadurch erhält er eine feinperlige Schaumkrone wie bei einem Bier, vom Geschmack her ist er jedoch eher süß. Zum Kaffee gibt es kleine runde Küchlein oder orientalische Snacks wie Baklava oder Samosa.

Der gebürtige Tunesier ist viel rumgekommen in der Welt und sagt: „In anderen Ländern hat ein Beruf in der Gastronomie einen ganz anderen Stellenwert als hier in Deutschland.“ Die Arbeit in der Gastronomie werde oft schlecht bezahlt. Das möchte er ändern. Für ihn stehen höchste Qualität der Lebensmittel und Kundenservice an erster Stelle. Er möchte eine einzigartige Kaffeekultur vermitteln. Dazu gehört beispielsweise auch der komplette Verzicht auf Zucker und Trinkgeld.

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Den Kaffee gibt’s nur bargeldlos!

Bei Ben Rahim zahlt man seinen Kaffee ganz selbstverständlich mit einem kurzen Kartenschwenk über das NFC-Terminal – fertig. Scheine oder gar Münzen? „Viel zu aufwendig!“, erklärt Ben Rahim.

Ein Schild am Eingang weist darauf hin: „Nur Kartenzahlung möglich.“  Das kennt man in Berlin bislang eher andersrum. Dem Gründer geht es dabei vor allem um eine überzeugende Geschäftsphilosophie. „Das braucht Mut und Selbstbewusstsein.“ Dabei sei es wichtig, transparent zu sein und den Kunden die Beweggründe zu erklären.

Seine Gründe für diesen Schritt sind vielschichtig. „Dadurch geht es beim Kassieren deutlich schneller und das Geld landet direkt auf unserem Konto. Auch die Umsätze sind mit Karte höher als mit Bargeld“, so Rahim. „Es ist aber auch eine administrative Entlastung. Das Geld zählen kostet jeden Tag viel Zeit. Wir müssen kein aufwendiges Kassenbuch mehr führen und kein Wechselgeld vorhalten.“ Auch Kosten könne er durch den Verzicht auf Bargeld einsparen. So entfielen Einzahlungsgebühren bei der Bank, Fehler in der Abrechnung und beim Rückgeld würden ebenfalls vermieden.

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Positive Resonanz

Bei den meisten Kunden komme es gut an, berichtet Rahim. „Wir haben sehr viele Stammkunden, da ist die Akzeptanz ohnehin hoch. Aber wir hatten auch vorher schon viele Kartenzahlungen.“ Die meisten Gäste seien interessiert an den Gründen und fänden die Entscheidung nachvollziehbar. Vor allem Gäste aus dem Ausland störten sich überhaupt nicht an dieser Maßnahme. „Am Ende überwiegen für uns die Vorteile, weil wir uns auf das Wesentliche, nämlich unseren Kundenservice und die Qualität unserer Produkte konzentrieren können“, erklärt der Café-Betreiber. Zusätzlich bietet Ben Rahim eine Prepaid-Karte an. Mit der Loyalty-Card profitieren Stammkunden von exklusiven Rabattaktionen. Zudem kann die Karte auch als Geschenkgutschein genutzt werden.

Und was ist, wenn die Technik versagt?

Trotz neuer Technologien ist die Skepsis der Gastronomen immer noch groß. Häufige Befürchtungen sind etwa die Angst, dass Daten ausgespäht werden könnten oder die Abhängigkeit von der Technik – die könnte ja ausfallen.

„Alles kein Problem“, meint Rahim. „Wir nutzen das iPad-Kassensytem von Orderbird und haben Ersatzgeräte. Zusätzlich haben wir ein System, das auch ohne Strom- und Internetanschluss Kartenzahlungen ermöglicht. Und für den Notfall haben wir immer noch etwas Bargeld in der Schublade“, so der Unternehmer.

 

Fotocredit:
Humberto Ribs