Agents of Change: Wie KI die nächste Ära prägt
19. Januar 2026 | Frankfurt | By Oliver Jonas- Mastercard Economics Institute AI Enthusiasm Index: Mastercard quantifiziert erstmals die globale KI-Adoption mit einem neuen Index, der Ländervergleiche, Investitionsvolumen und Pro-Kopf-Investitionen abbildet
- KI als Entscheidungshelfer: 40 % der Unternehmen konsultieren KI regelmäßig bei Strategiefragen
- Mit „Agent Pay" etabliert Mastercard einen vertrauenswürdigen Standard für autonome KI-Agenten-Zahlungen und schafft Sicherheit und Transparenz

Drei Jahre nach der Markteinführung von ChatGPT ist generative KI zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden – von der Urlaubsplanung über den Lebensmitteleinkauf bis hin zur Content-Erstellung und dem persönlichen Finanzmanagement. Diese Entwicklung signalisiert einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Technologie: weg von klassischen Suchmaschinen und manueller Recherche, hin zu KI-gestützter, individueller Assistenz.
Privatpersonen und Unternehmen setzen die Technologie so schnell wie nie zuvor ein. Um diesen Anstieg messbar und vergleichbar zu machen, hat das Mastercard Economics Institute (MEI) den „MEI AI Enthusiasm Index“ entwickelt. Er zeigt erstmals die weltweiten KI-Ausgaben pro Land, den Anteil von KI an den gesamten Softwareausgaben sowie die Pro-Kopf-Investitionen in KI-Tools.
In Europa liegt Dänemark an der Spitze – getragen vor allem durch die starke unternehmerische Nutzung. Laut Eurostat nutzten 27,6 % der dänischen Unternehmen im Jahr 2024 mindestens eine KI-Technologie – doppelt so viele wie im EU-Durchschnitt. Diese Erkenntnisse stammen aus dem Economic Outlook 2026 des Mastercard Economics Institute, der eine tiefere KI-Integration und gezielte fiskalische Impulse als zentrale Treiber des zukünftigen globalen Wachstums identifiziert.
KI hinterlässt auch in der Finanzwelt deutliche Spuren und verändert grundlegend, wie Institutionen arbeiten, wie Verbraucher mit Geld umgehen und wie Transaktionen abgewickelt werden. Einige der wichtigsten Entwicklungen im Überblick:
KI-Agenten übernehmen Einkäufe
KI analysiert nicht mehr nur Informationen, sondern handelt zunehmend im Auftrag der Nutzer: Sie bricht komplexe Aufgaben in einzelne Schritte runter und führt sie vollständig automatisiert aus – etwa bei der Planung und Buchung eines Urlaubes, inklusive Vergleich von Unterkünften, Transportmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten.
Je mehr solcher Aufgaben an KI übergeben werden, desto wichtiger werden Vertrauen und klare Standards, um Fehler, Betrug oder unbeabsichtigte Verpflichtungen zu vermeiden. Im April 2025 hat Mastercard daher „Agent Pay“ eingeführt – gemeinsam mit einem neuen Akzeptanzrahmen für sichere, von KI-Agenten initiierte Zahlungen.
Brice van de Walle, Executive Vice President Core Payments Europe bei Mastercard Europe:
„Agentic Commerce markiert einen grundlegenden Wandel im Einkaufsverhalten. Statt statischer Suchen und langer Checkout-Prozesse sorgen KI-Agenten für einen flüssigeren und sichereren Ablauf, indem sie Zahlungen nahtlos abwickeln und den Kundinnen und Kunden gleichzeitig die Kontrolle lassen. Agent Pay verbindet all diese Elemente und schafft durch Transparenz die Basis für Vertrauen – sowohl auf Kunden- als auch auf Partnerseite.“
2026 dürfte Agentic Commerce weltweit deutlich wachsen – angetrieben durch Multi-Agenten-Systeme, die gemeinsam komplexe Aufgaben erfüllen.
KI und kleine Unternehmen
Auch bei kleinen und mittleren Unternehmen gewinnt KI zunehmend an Bedeutung, die Akzeptanz ist jedoch noch uneinheitlich. Aktuelle Mastercard-Studien zeigen, dass rund 39 % der europäischen KMU-Gründerinnen und -Gründer KI regelmäßig einsetzen. Die höchsten Nutzungsraten verzeichnen Norwegen (62 %), Dänemark (56 %) und Griechenland (52 %). Vor allem jüngere Unternehmer treiben diese Entwicklung voran: 58 % der Gründer aus der GenZ nutzen KI regelmäßig, verglichen mit etwa 40 % der älteren Generationen.
Obwohl mehr als die Hälfte der Gründer das Potenzial von KI erkennt, setzen viele sie bislang noch nicht konkret ein. Unter den Anwendern entwickelt sich KI zunehmend zu einem Entscheidungsinstrument: Knapp vier von zehn befragen die KI, wenn sie unsicher über den besten nächsten Schritt sind – bei der Gen Z sind es sogar mehr als die Hälfte. Dialogorientierte KI hat diese Entwicklung beschleunigt, da sie den Zugang zur Technologie deutlich erleichtert. 40 % geben an, KI aufgrund ihrer Dialogfunktionen häufiger zu nutzen.
Dabei werden auch die praktischen Vorteile immer deutlicher, von der Erstellung von Inhalten bis hin zu Effizienzgewinnen. 28 % nutzen KI für den Großteil ihrer schriftlichen Arbeiten, und 39 % berichten von deutlichen Kosten- oder Zeiteinsparungen, insbesondere in den nordischen Ländern und in Griechenland.
Cyberbedrohungen einen Schritt voraus
Mit der wachsenden Leistungsfähigkeit von KI kommt eine unvermeidliche Erkenntnis: Wenn Unternehmen diese Technologien nutzen, können es auch Cyberkriminelle und Betrüger. Für Firmen, die auf E-Commerce und digitale Zahlungen setzen, können bereits einzelne Cybervorfälle gravierende Folgen haben, von Reputationsschäden bis hin zum dauerhaften Verlust des Kundenvertrauens.
Leider macht KI auch Cyberkriminelle effektiver. KI-gestützte Tools ermöglichen es ihnen, schnell und einfach täuschend echte Phishing-E-Mails, Textnachrichten und Social-Media-Posts sowie Audio- und Video-Deepfakes zu erstellen. In einer von Mastercard in Auftrag gegebenen Umfrage unter 5.000 europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern geben diese zwar an, dass KI-generierte Fälschungen ihre größte Sorge im Hinblick auf zukünftige Betrugsmaschen sind – gleichzeitig fühlen sich jedoch nur 8 % sehr sicher darin, KI-basierte Bedrohungen oder Betrugsversuche zuverlässig zu erkennen.
Parallel dazu entwickeln Cybersecurity-Unternehmen KI-basierte Abwehrmechanismen, die intelligentere und adaptive Lösungen bieten und für Unternehmen leichter zugänglich sowie erschwinglicher werden. Dennoch reichen technologische Maßnahmen allein nicht aus.
Michele Centemero, EVP Services bei Mastercard Europe:
„KI beschleunigt Innovationen in allen Branchen, erhöht aber gleichzeitig Reichweite und Komplexität von Cyberbedrohungen. Der Schutz von Unternehmen und Verbrauchern erfordert mehr als KI-gestützte Abwehrsysteme: Er braucht menschliche Expertise zur Einordnung von Risiken, kontinuierliches Monitoring zur frühzeitigen Erkennung neuer Gefahren und adaptive Strategien, die sich gemeinsam mit den Bedrohungen weiterentwickeln.“
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